Jusos in den Räten: Bianca Joseph, Walldürn

Bei den Kommunalwahlen 2014 in Baden-Württenberg konnten zahlreiche Jusos ein kommunalpolitisches Mandat erringebn. Auch bei uns im Neckar-Odenwald-Kreis gibt es jetzt mehr junge Menschen in Gemeinde- und Ortschaftsräten. Ein Jahr später möchten wir sie nun in regelmäßigen Abständen vorstellen und haben sie dafür interviewt. Den Anfang macht Bianca Joseph (24) aus Walldürn!bianca

Hallo Bianca, du bist seit Juni 2014 im Gemeinderat der Stadt Walldürn. Hast du nichts besseres zu tun?

Ich habe auf jeden Fall noch andere Dinge zu tun. Für mich gibt es aber schlechtere Möglichkeiten seine Zeit zu investieren – und ich finde es wichtig, sich für seine Stadt einzusetzen.

Kommunalpolitik – sind das nicht nur alte Männer, die über Baupläne diskutieren und danach einen trinken gehen?

Bei uns würde ich das nicht behaupten, wir haben auch ältere Damen und Menschen im mittleren Alter. Ich bin allerdings tatsäclich mit sieben Jahren Abstand die Jüngste. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein, denn von den älteren, erfahrenen Leuten kann man viel lernen. Und natürlich geht es bei uns nicht nur um Baupläne, wir kümmern uns um alle Belange, die auch die Bürger betreffen.

Hast du ein Thema mit dem du dich hauptsächlich beschäftigst? Und bist du auch in einem Ausschuss?

Ja, ich bin im Verwaltungsauschuss, da geht es viel um verwaltungstechnische Sachen, wie

zum Beispiel das Personalwesen oder um schulische Angelegenheiten. Ich kümmere mich daneben in meiner Arbeit um jugendliche Themen und um die Vereine.

Kannst du dich im Gemeinderat auch so einbringen, wie du es gerne hättest?

Man muss sich natürlich immer durchsetzen, Politik ist Geben und Nehmen. Ich habe aber das Gefühl, dass meine Meinung in den Gremien gehört wird und nicht, dass mich manche wegen meines Alters nicht ernstnehmen würden.

Du bist ja (nach Juso-Maßstäben) das einzige junge Ratsmitglied. Finden da Jugendliche überhaupt Gehör?

Natürlich kümmern wir uns im Gemeinderat, trotz dessen Altersstruktur, mit Themen, die Jugendliche beschäftigen, zum Beispiel mit dem Jugendzentrum. Bei uns in der Fraktion sorgen wir auch gerade mit Social Media-Auftritten, dass junge Nutzer sich über unsere Arbeit informieren. Dadurch können wir auch eine Brücke schlagen und durch den Austausch Politik etwas transparenter gestalten.r

Wie bist du dazu gekommen für ein politisches Amt zu kandidieren? Und wie sah dein Wahlkampf aus?

Mir liegt Walldürn sehr am Herzen, seit meiner Kindheit bin ich durch meinen Vater immer wieder bei Sitzungen und politischen Veranstaltungen dabei gewesen. Der Wahlkampf lief ganz klassisch mit Wahlveranstaltungen und Infoständen. Das war auch immer Teamarbeit.

Welchen Tip würdest du einer jungen Person geben, die sich auch engagieren möchte?

Man sollte sich trauen Gespräche zu suchen und an Sitzungen teilzunehmen. Am besten man redet mit ein paar Menschen, die schon aktiv sind. Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass Politiker auch nur mit Wasser kochen.

Du studierst ja neben deiner Arbeit im Gemeinderat noch. Wie gut lässt sich das vereinbaren und wie hoch ist der zeitliche Aufwand?

Der Gemeinderat trifft sich monatlich, die Sitzungen dauern zwei bis drei Stunden. Daneben finden, auch monatlich, Ausschusssitzungen und Fraktionssizungen statt. Die Arbeit dazwischen, wie zum Beispiel Anträge schreiben, lässt sich auch gut per E-Mail erledigen.

Hast du das Gefühl dein Mandat hat dir auch persönlich etwas gebracht?

Ich habe viel über verwaltungstechnische Dinge gelernt. Aber auch sich zu behaupten und sich durchzusetzen. Oder Kompromisse zu machen – das gehört auch dazu.

Bei der Kommunalwahl 2014 hast du dir deinen Platz erkämpft. Würdest du das wieder tun?

Natürlich, auf jeden Fall!